{"id":696,"date":"2026-07-01T20:35:49","date_gmt":"2026-07-01T20:35:49","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/?page_id=696"},"modified":"2026-07-15T19:22:35","modified_gmt":"2026-07-15T19:22:35","slug":"blogbeitrag_10-maerz-2026","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/index.php\/blogbeitrag_10-maerz-2026\/","title":{"rendered":"Blogbeitrag_3.Treffen_13.Apr.2026"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading alignwide\">Mathildenviertel \u2013 Ein Viertel wehrt sich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">13.Aprl.2026, von Lea Hanke<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">An einem Dienstagabend im M\u00e4rz sitzt ein Kreis von 20 bis 30 Menschen in einem Raum im Mathildenviertel in Offenbach. Manche sind schon seit L\u00e4ngerem dabei, andere sind zum ersten Mal gekommen, einige kommen sogar aus anderen Vierteln, um zu unterst\u00fctzen. Sie alle treibt die Sorge um einen besonderen Ort um, und das Gef\u00fchl, dass wichtige Entscheidungen ohne echte Beteiligung der Menschen vor Ort getroffen werden.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Ein Ort, der mehr ist als ein Grundst\u00fcck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Wer heute durch das Mathildenviertel l\u00e4uft, sieht viel Stein, dichte Bebauung und nur wenig Platz zum Durchatmen. Fr\u00fcher war es hier deutlich gr\u00fcner, mit Wasserl\u00e4ufen wie dem Hainbach, und lange Zeit wurde an solchen Stellen bewusst nicht gebaut. Stattdessen stand dort eine Villa, ein begehrter Wohnort, der im Krieg zerst\u00f6rt wurde. In einer Stadt, in der besondere Orte selten sind, wirkt dieser Platz auf viele wie ein St\u00fcck Identit\u00e4t, das nicht einfach \u00fcberplant werden soll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Als das Sparkassengeb\u00e4ude gebaut wurde, versuchte man zumindest noch, es in die Umgebung einzupassen und auf das Umfeld R\u00fccksicht zu nehmen. F\u00fcr viele Anwohnerinnen und Anwohner war dieser Ort nie nur \u201eeine Fl\u00e4che\u201c, sondern ein Raum zum Leben \u2013 mit Geschichte, Beziehungen und Erinnerungen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Nochmal: Was gerade passiert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">2022 wurde das Grundst\u00fcck von einem Investor gekauft, seitdem laufen Planungen f\u00fcr eine neue, gro\u00dfe Bebauung. Schon der Bau der Tiefgarage des Supermarkts in der N\u00e4he hat deutliche Spuren hinterlassen: Setzrisse in H\u00e4usern, abgesackte Stra\u00dfen, ein Untergrund, der offenbar in Bewegung ist. 2014 wurde die Stra\u00dfe erneuert, sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass sie nach dem Supermarktbau wieder eingesackt ist und einzelne Platten locker wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Seit Anfang 2025 finden Gespr\u00e4che zwischen Investor und Stadt statt, \u00fcber deren Inhalte \u00f6ffentlich nur wenig bekannt ist. Der Gestaltungsbeirat diskutierte die geplante Bebauung im Juli 2025 \u2013 zwar \u00f6ffentlich, aber ohne Rederecht f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Die zust\u00e4ndigen Stellen kamen zu dem Schluss, dass grunds\u00e4tzlich ein Baurecht besteht, solange sich das Projekt in die Umgebung einf\u00fcge; eine Blockrandbebauung gelte in diesem Sinne als passend.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:69px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"352\" src=\"https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06-1024x352.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-969\" srcset=\"https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06-1024x352.png 1024w, https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06-300x103.png 300w, https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06-768x264.png 768w, https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06-1536x528.png 1536w, https:\/\/netzwerk-mathildenviertel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-17.33.06.png 1738w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><em>Zeichnung von Paul Carmichael<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:49px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Parallel dazu steht ein Wechsel im Baudezernat an: Ein neuer Dezernent beziehungsweise eine neue Dezernentin wird das Amt \u00fcbernehmen. Damit stellen sich zus\u00e4tzliche Fragen, die in der Runde immer wieder mitschwingen: Gab es vom bisherigen Bauamt bereits verbindliche Zusagen gegen\u00fcber dem Investor \u2013 und was passiert, wenn eine neue Bewertung der Lage im Widerspruch zu fr\u00fcheren Einsch\u00e4tzungen steht? W\u00fcrde die Stadt in einem solchen Fall eher an alten Zusagen festhalten, um m\u00f6gliche Schadensersatzanspr\u00fcche zu vermeiden, oder er\u00f6ffnet der Wechsel im Amt die Chance, Entscheidungen neu zu pr\u00fcfen und st\u00e4rker am Gemeinwohl im Viertel auszurichten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Gleichzeitig enth\u00e4lt das Planungsrecht Anforderungen an gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen \u2013 ein Punkt, bei dem viele Anwohnende sich fragen, ob er ausreichend ber\u00fccksichtigt wird.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Eine B\u00fcrgerfragestunde ohne Antworten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Bei der B\u00fcrgerfragestunde am 5. Februar hofften viele auf Aufkl\u00e4rung. Statt klarer Antworten blieb der Eindruck zur\u00fcck, dass kaum eine der im Vorfeld eingereichten Fragen wirklich konkret beantwortet wurde. Teilnehmende berichten, es wirkte, als seien einige Anliegen gar nicht ernsthaft gelesen oder aufgegriffen worden. Als nach bereits bestehenden Sch\u00e4den wie Setzrissen gefragt wurde, verwiesen Verantwortliche auf andere Stellen; zeitweise wurde sogar suggeriert, B\u00e4ume seien f\u00fcr die Probleme verantwortlich \u2013 f\u00fcr viele im Saal kaum nachvollziehbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Auch in den folgenden Tagen f\u00fchlten sich Engagierte immer wieder gebremst: Einladungen ins Rathaus kamen sehr kurzfristig, Einsicht in Unterlagen blieb schwierig, und auch in der Stadtverordnetenversammlung kam ein&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ofa-ev.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Dringlichkeitsantrag-Bebauungsplan-fuer-Flurstueck-223-12-im-Mathildenviertel.pdf\">Eilantrag von Ofa<\/a>&nbsp;f\u00fcr einen Bebauungplan f\u00fcr das Gel\u00e4nde nicht durch. Ein Bebauungsplan existiert n\u00e4mlich zur Zeit noch nicht. Aber er w\u00e4re wichtig, denn er k\u00f6nnte genauer festlegen, wie eine Gestaltung, die zum Viertel passt, aussehen sollte. Wir haben den Eilantrag gestellt, weil wir f\u00fcrchteten, dass der Bauherr die Zeit bis zur n\u00e4chsten Sitzung nutzen k\u00f6nnte, um schnell seine Pl\u00e4ne genehmigt zu bekommen. Denn mit dem neuen Bauturbo der Bundesregierung w\u00e4re das m\u00f6glich gewesen. Deshalb unsere Eile! Der Antrag wurde aber gar nicht behandelt, es wurde nur seine Dringlichkeit abgelehnt. Und die Begr\u00fcndung daf\u00fcr hat uns beruhigt: Denn es wurde von Koa-Vertretern versichert, dass eine direkte Baugenehmigung derzeit nicht unmittelbar bevorstehen w\u00fcrde. Das war eine wichtige Information, denn der gr\u00f6\u00dfte Zeitdruck ist etwas geringer. Wir hoffen nat\u00fcrlich, dass diese Information stimmt und werden den Antrag nat\u00fcrlich so bald wie m\u00f6glich wieder stellen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Worum es wirklich geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Bei einem der Treffen wird deutlicher, worum es den Menschen im Mathildenviertel im Kern geht. Eine Studie der AOK bescheinigt Offenbach die h\u00f6chste Depressionsrate Deutschlands \u2013 unter anderem bedingt durch Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen und ein hohes Ma\u00df an Urbanit\u00e4t. Vor diesem Hintergrund empfinden viele Bewohnerinnen und Bewohner den Verlust von Gr\u00fcn, Licht und Aufenthaltsqualit\u00e4t als zus\u00e4tzliche Belastung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">\u201eIch liebe diese Stadt und ich liebe dieses Viertel\u201c, sagt eine Person in die Runde, und es wird still im Raum. Kaum jemand bestreitet, dass Wohnungen gebraucht werden. Aber sie sollen bezahlbar sein und nicht zu Lasten von Sicherheit, Klima und Nachbarschaftsleben entstehen. Zeichnungen der geplanten Bebauung haben viele erschreckt; beschrieben wird ein Bauk\u00f6rper, der als massiv, schwer und wenig sensibel f\u00fcr den instabilen Untergrund wahrgenommen wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein achtst\u00f6ckiges Geb\u00e4ude werden rund 6.000 Tonnen zus\u00e4tzliches Gewicht genannt, die auf einen ohnehin problematischen Boden dr\u00fccken w\u00fcrden. Probebohrungen einer Firma aus Wiesbaden gingen bis in f\u00fcnf Meter Tiefe \u2013 vielen erscheint das zu wenig, um abzusch\u00e4tzen, welche Auswirkungen eine solche Bebauung auf die benachbarten Geb\u00e4ude h\u00e4tte.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Engagement w\u00e4chst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Trotz aller Unsicherheit: Die Initiative im Viertel ist gewachsen. Menschen haben sich vernetzt, Kontakte gekn\u00fcpft, eine Petition gestartet und Unterschriften am Wilhelmsplatz gesammelt. 961 Unterschriften liegen derzeit vor \u2013 f\u00fcr ein kleines Viertel ein sichtbares Zeichen, zumal weitere Aktionen wie ein Infostand am Wochenmarkt diskutiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Auch in der Politik regt sich etwas: Vertreterinnen und Vertreter einzelner Parteien signalisieren Gespr\u00e4chsbereitschaft, auch wenn die Positionen zur Bebauung nicht einheitlich sind. Gleichzeitig besch\u00e4ftigt die Engagierten eine Frage: Wie l\u00e4sst sich das Thema so aufbereiten, dass es \u00fcber das Viertel hinaus ernst genommen wird \u2013 in einer Stadt, in der viele mit ganz anderen Problemen k\u00e4mpfen?&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\"><strong>Ein Viertel sucht seine Stimme<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Im Mathildenviertel hat sich die Bewohnerschaft in den vergangenen zehn Jahren stark ver\u00e4ndert, viele der fr\u00fcheren Bewohnerinnen und Bewohner sind weggezogen. Umso wichtiger waren neue Orte:&nbsp;&nbsp;etwa Kita, Park und Treffpunkte, die Menschen zusammenbringen und neue Bindungen erm\u00f6glichen. Nun bef\u00fcrchten manche, dass eine dichte Neubebauung genau diese gewachsene Nachbarschaft wieder unter Druck setzen k\u00f6nnte.&nbsp;Und doch zeigt der Abend im M\u00e4rz, dass sich etwas formt: Menschen, die sich fr\u00fcher kaum kannten, sitzen zusammen, sammeln Informationen, strukturieren Argumente und planen n\u00e4chste Schritte. Sie wollen, dass Entscheidungen nicht \u201e\u00fcber\u201c das Viertel getroffen werden, sondern gemeinsam mit denjenigen, die hier leben: damit dieser Ort mehr bleibt als nur eine berechnete Fl\u00e4che im Stadtplan.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-custom-color-4-color has-accent-2-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-element-button\">Blog \u2013 1. Treffen<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-custom-color-4-color has-accent-2-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-element-button\">Blog \u2013 2. Treffen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mathildenviertel \u2013 Ein Viertel wehrt sich 13.Aprl.2026, von Lea Hanke An einem Dienstagabend im M\u00e4rz sitzt ein Kreis von 20 bis 30 Menschen in einem Raum im Mathildenviertel in Offenbach. Manche sind schon seit L\u00e4ngerem dabei, andere sind zum ersten Mal gekommen, einige kommen sogar aus anderen Vierteln, um zu unterst\u00fctzen. 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