Das Bauvorhaben
Ein wertvolles Stadtquartier braucht eine verantwortungsvolle Entwicklung
Zwischen Mathildenplatz und Bahndamm liegt eines der prägenden Quartiere Offenbachs: das Mathildenviertel. Seine nahezu geschlossen erhaltene gründerzeitliche Bebauung, zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude und das große Engagement der Eigentümerinnen, Eigentümer sowie Bewohnerinnen und Bewohner verleihen dem Viertel seinen besonderen Charakter.
Auf dem Grundstück Bieberer Straße 39 ist nun ein groß dimensioniertes Wohnbauprojekt geplant.
Wir begrüßen die Schaffung neuen Wohnraums. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass eine Entwicklung an diesem sensiblen Standort den historischen Bestand respektieren, klimatische Herausforderungen berücksichtigen und einen echten Mehrwert für das Quartier schaffen muss.

Unsere Position auf einen Blick
- Wir sind für neuen Wohnraum.
- Wir setzen uns für klimagerechtes und qualitätsvolles Bauen ein.
- Das Mathildenviertel verdient eine Entwicklung, die Denkmalschutz, Klimaschutz und Wohnungsbau miteinander verbindet.
Das Baugrundstück heute
Heute befinden sich auf dem Grundstück ein Rewe-Getränkemarkt, eine Kindertagesstätte und ein Friseurbetrieb in den ehemaligen Räumen der Offenbacher Sparkasse.
Historisch war das Grundstück noch nie vollständig bebaut. An der Straßenfront stand eine Villa, dahinter befand sich ein parkähnlicher Garten.
Nach den bislang bekannten Planungen soll das Grundstück nahezu vollständig bis an die Grundstücksgrenzen mit einem mehrgeschossigen Wohnkomplex bebaut werden.

Unsere Fragen:
Aus unserer Sicht sollten vor einer Entscheidung insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
Wie kann zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden, ohne die bereits hohe klimatische Belastung des Viertels weiter zu erhöhen und die Frischluftzufuhr vom Main zu erhalten?
Wie kann sich ein Neubau harmonisch in das historische Stadtbild einfügen?
Warum soll der erst 2008 errichtete Getränkemarkt abgerissen werden, anstatt vorhandene Bausubstanz ressourcenschonend weiterzuentwickeln und die Nahversorgung zu erhalten?
Wieso orientiert sich die Planung nicht stärker an erfolgreichen Beispielen, die Wohnungsbau, Klimaanpassung und ästhetische Architektur miteinander verbinden?
Anspruchsvoller Baugrund
Das Mathildenviertel entstand auf einer ehemaligen Auenlandschaft. Der Untergrund aus Ruppelton stellt besondere Anforderungen an Bauvorhaben.
Bereits in der Vergangenheit kam es aufgrund dieser Bodenverhältnisse zu erheblichen Problemen. So musste die frühere Mathildenschule nach schweren Bauschäden aufgegeben und später abgerissen werden.
Auch beim Bau des heutigen Rewe-Marktes im Jahr 2008 wurden im Umfeld Schäden festgestellt. An benachbarten Gebäuden entstanden Risse, Wege und Höfe wurden beschädigt, Türen klemmten und mehrere Wasserrohrbrüche traten auf. Die Erschütterungen waren in den angrenzenden Häusern deutlich spürbar.
Vor diesem Hintergrund halten wir eine besonders sorgfältige Prüfung der geologischen und bautechnischen Risiken für unverzichtbar.
Klimaschutz beginnt im Quartier
Das Mathildenviertel gehört bereits heute zu den klimatisch am stärksten belasteten Bereichen Offenbachs. Die Klimakarten der Stadt weisen das Gebiet als Hitzehotspot aus.
Gerade deshalb sind Freiflächen, Begrünung und eine gute Durchlüftung entscheidende Bausteine einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Ein großvolumiger Neubau könnte diese Bedingungen beeinträchtigen und die sommerliche Hitzebelastung weiter verstärken.

Mehr Wohnungen – aber mit Qualität
Offenbach braucht neuen Wohnraum. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie wir unsere Stadt künftig gestalten wollen.
Gute Stadtentwicklung verbindet Wohnungsbau mit architektonischer Qualität, Klimaschutz und hoher Lebensqualität. Auch die Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur, auf Verkehr und Parkraum sollten frühzeitig berücksichtigt werden.
Besonders wichtig ist zudem bezahlbarer Wohnraum. Ein Projekt, das eher hochpreisige Wohnungen schafft und mittelfristig zu einem Anstieg der Mieten im Viertel führt, trägt nicht automatisch zur Lösung der Herausforderungen unserer Stadt bei.
Unser Ziel:
Wir wenden uns nicht gegen neue Wohnungen – wir sind für Stadtplanung mit Verantwortung und Weitblick.
Wir setzen uns für ein Bauprojekt ein, das den Charakter des Mathildenviertels respektiert, die klimatischen Herausforderungen ernst nimmt und sich sensibel in das historische Umfeld einfügt.
Der Investor hat die Chance, hier ein beispielhaftes Projekt zu verwirklichen – nicht durch maximale Ausnutzung des Grundstücks, sondern durch Qualität: architektonisch anspruchsvoll, klimagerecht und als echte Bereicherung für das Mathildenviertel. Ein Projekt, das weit über Offenbach hinaus Anerkennung findet!

