Bauprojekt

Worum geht es?

Im gründerzeitlichen, denkmalgeschützten Mathildenviertel in Offenbach soll ein großdimensioniertes Bauprojekt eines Frankfurter Investors genehmigt werden. Die bisher im Raum stehenden Planungen sehen eine komplette Bebauung bis an den Grundstücksrand mit einem 6-8 Geschosse hohen Wohnkomplex vor. Es ist von bis zu 160 Wohnungen die Rede.

Auf dem Grundstück (Bieberer Str. 39) befinden sich heute ein flacher Rewe-Getränkemarkt, eine Kita und ein Friseur in den ehemaligen Räumen der Offenbacher Sparkasse. Historisch war das Gelände noch nie komplett bebaut. An der vorderen Ecke stand eine Villa, dahinter befand sich ein parkähnlich angelegter Garten.

Das Bauvorhaben greift tief in die gewachsene Struktur des Quartiers ein und birgt viele Risiken. Wir fordern einen zwingenden Bebauungsplan für dieses Projekt, bei dem alle relevanten Aspekte geprüft werden müssen.

Warum ist das Bauprojekt umstritten?

Zwischen Mathildenplatz und Bahndamm zeichnet sich das Mathildenviertel durch nahezu lückenlos erhaltene Altbauten aus der Zeit um 1900 aus. Viele der Häuser stehen unter Denkmalschutz und werden von ihren Eigentümern und Bewohnern mit viel Einsatz gepflegt und restauriert. Charakteristisch sind auch die schönen historischen Fassaden der Häuser.

Das Mathildenviertel entstand auf einer ehemaligen Auenlandschaft mit Bächen. Der Untergrund („Ruppelton“) ist schwierig zu bebauen. In der Vergangenheit mussten daher große Gebäude wie die frühere Mathildenschule abgerissen werden, weil sie zu schwer waren für das Gelände und es zu Setzrissen kam.

Der Neubau des Rewe Marktes auf dem geplanten Baugrundstück im Jahr 2008 hatte bereits erhebliche Schäden zur Folge: Risse in umliegenden Häusern, Schäden bei Wegen und Höfen, klemmende Türen sowie etliche Wasserrohrbrüche aufgrund der Erschütterungen durch die Bauarbeiten, die in den umliegenden Häusern zu spüren waren. Es ist zu befürchten, dass die Bauarbeiten im gedachten Format erneut zu vielen Schäden führen werden.

Laut Klimakarten ist das Mathildenviertel außerdem bereits jetzt ein Hitzehotspot, in dem Durchlüftung und Begrünung zentrale Zukunftsaufgaben sind. Der geplante Neubau würde aufgrund seiner massiven Dimension die Frischluftströme vom Main abschneiden und die Hitzebelastung für Anwohnerinnen und Anwohner weiter verschärfen, statt eine klimaresiliente Stadtentwicklung zu unterstützen.

Die zusätzliche Verkehrsbelastung durch eine riesige Anlage mit geplanten ca. 160 Wohneinheiten und rund 90 PKW-Stellplätzen ist absehbar. Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Schadstoffausstoß und mehr Kreisen nach Parkplätzen wären die Folgen – das hat nichts mehr mit zukunftsgerechtem Klimaschutz zu tun.

Ein Neubau in der gedachten Ausführung wäre ein Fremdkörper, der viele Nachteile mit sich bringt.

Was fordern wir?

Wir fordern die Stadt auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und eine umfassende Prüfung der hydrologischen, klimatischen und städtebaulichen Auswirkungen sicherzustellen. Dies kann nur durch die verbindliche Zusage erfolgen, ein reguläres Bebauungsplanverfahren durchzuführen, das u.a. detaillierte Vorgaben und eine Bürgerbeteiligung vorsieht.

Wir brauchen aber doch Wohnungen?

Auch wir sind für Wohnungsneubau. Dennoch braucht unsere Stadt keine weiteren gesichtslosen Wohnblöcke ohne städtebaulichen Bezug zur gewachsenen Umgebung. Stadtentwicklung bedeutet Verantwortung! Neue Gebäude sollten das Quartier architektonisch, klimatisch und sozial bereichern und Räume schaffen, in denen Menschen bezahlbar und gerne leben.

Neubauprojekte mit hohen Mieten sind nicht allein die beste Lösung. Gebraucht wird Wohnraum, den sich die Menschen leisten können. Die Profitinteressen eines einzelnen Investors, dessen Bauvorhaben die Mieten im gesamten Viertel nach oben ziehen und für weitere Gentrifizierung sorgen wird, sollten nicht Vorrang haben vor einer menschen- und klimagerechten Bebauung. Es muss maßvolle, sozial und ökologisch verträgliche Lösungen geben, nicht die übermäßige Verdichtung auf engstem Raum.

Welche Alternativen gäbe es zu dem geplanten Bauprojekt?

Stadtplanung mit Kreativität und Weitblick! Das Mathildenviertel als lebens- und liebenswerter Teil unserer Stadt darf nicht durch ein monströses Bauprojekt in der gedachten Dimension und Ausführung verdichtet und entwürdigt werden. Unter Bürgerbeteiligung könnte eine positive Vision entwickelt werden, die maßvoll, sozial und ökologisch ist. Gute Ideen gäbe es sicher viele. Ebenso stellen sich viele Fragen, z.B. warum der erst 2008 errichtete Rewe-Getränkemarkt wieder abgerissen werden soll, anstatt ihn ressourcenschonend zu integrieren und für die Nahversorgung zu erhalten?

Der Investor hätte die Möglichkeit, auf diesem Grundstück ein Bauvorhaben zu realisieren, das durch seine Zukunftsorientierung und architektonische Qualität und Schönheit breite Anerkennung findet.